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Zur Geschichte von Weißensee

An einer Handelsstraße, die Böhmen und Sachsen mit der Ostsee verband, wurde das Dorf Weißensee Anfang des 13. Jahrhundert gegründet. Der fischreiche See bildete die Erwerbsgrundlage der ersten Bewohner. Sie siedelten sich am Ostufer des Sees an. Die Pfarrkirche an der Falkenberger Straße stammt aus diesen alten Tagen.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1313 wurde das Dorf Weißensee zum ersten Mal erwähnt. 1376 lässt der in Prag residierende Kaiser Karl IV. Weißensee wie alle Dörfer seines Herrschaftsbereichs in das "Landbuch der Mark Brandenburg" eintragen. 1486 belehnt Kurfürst Johann Cicero den Berliner Gewandschneider Thomas Blankenfelde mit einem Bauernhof und macht ihn zum ersten Gutsherren von Weißensee.

Das Rittergut Weißensee

Um 1540 wurde in Weißensee ein Rittergut eingerichtet, das in der Folgezeit mehrere Male geteilt wurde und häufig seine Besitzer wechselte Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurde Weißensee mehrmals besetzt so z.B. 1636 und 1639 von den Schweden. Nach dem Ende des Krieges leben in Weißensee nur noch 3 Familien. Erst 30 Jahre später wohnen wieder 143 Menschen. Carl Gottlob von Nüßler vereinigte 1745 die getrennten Güter und errichtete am Südufer des Sees ein schlichtes Gutshaus.

Der Verleger Friedrich Nicolai, beschreibt 1786 in seinem Buch "Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend" folgendes: "Weißensee, ein Dorf, 1 Meile von Berlin, dem Hrn. von Schenkendorf gehörig. Es ist daselbst ein sehr schöner Garten, dem die angenehme Lage an dem großen See, von dem das Dorf den Namen hat, noch mehr Reiz gibt... Es gehet von Berlin dahin eine Allee ..."

Der Dorfkrug, aus dem das spätere "Cafe Rettig" wurde, wird von Carl Gottlob von Nüßler errichtet. Ab 1804 begann man mit dem Bau der "Provinzial-Chaussee" Berlin-Weißensee-Bernau. Allerdings reichten die Mittel nur, um bis nach Weißensee zu kommen. Erste wirtschaftliche Impulse kamen mit dem 1817 von Johann Heinrich Leberecht Pistorius patentierten Brennapparat mit dem Kartoffelschnaps gebrannt wurde. Eine große Feuersbrunst, bei der 8 Menschen starben, verwüstete am 13. und 14. Juli 1823 Teile des Dorfes. 1848 wurde ein zweiter Anlauf genommen um die Straße entlang der heutigen Berliner Allee nach Bernau fertig zustellen.

Anstelle des Gutshauses am Südufer des Sees entstand 1859 ein schlossähnliches Gebäude mit einem Park. Während es alle Immobilienspekulanten Berlins nach Westen zog erwarb 1872 der Hamburger Kaufmann Gustav Adolf Schön das Gut Weißensee für 700 000 Taler. das er parzellierte und weiter veräußerte. Dr. Ernst Gäbler errichtete mit seiner "Gesellschaft für Mittelwohnungen" südöstlich der "Königschaussee" das "Französische Viertel", ein Wohngebiet das heute "Komponistenviertel" heißt.
Die 1872 eröffnete Berliner Ringbahn erhielt 1875 einen Bahnhof Weißensee, den heutigen S-Bahnhof Greifswalder Straße. Am 1. November 1873 fährt der erste Pferdeomnibus vom Alexanderplatz nach Weißensee, allerdings gibt Unternehmer wegen der schlechten Straßen nach kurzer Zeit wieder auf.

1874 wurde das Schloss zu einer Vergnügungsstätte umgebaut, deren Betreiber häufig wechselten. Erst Rudolf Sternecker entwickelt das Unternehmen zu dem vielbesuchten "Welt-Etablissement Schloss Weißensee", mit 2 Tanzsälen, einer Rutschbahn, Ballonfahrten, Karussells, Würfelbuden, und verschiedene Bierlokalen. Mit zu diesem Erfolg trug die Pferdeeisenbahn bei, die ab 1877 den Alexanderplatz mit Weissensee verband. Das Schloss wurde 1919 durch einen Brand zerstört.

1875 wurde ein vierzig Hektar großes Areal von der Jüdischen Gemeinde zur Einrichtung eines neuen Begräbnisplatzes erworben, der 1880 eingeweiht wurde. 1877 errichtete der Berliner Traber-Club auf einem an Heinersdorf grenzenden Gelände die erste Berliner Trabrennbahn. Erste Rennenfanden am 16. und 17. Juni 1878 statt und führten mehr als 12.000 besucher nach Weißensee. Später wurde sogar eine Sonderlinie der Straßenbahn bis vor die Tore der Rennbahn geführt. Nach mehreren Umbauten und zeitweiligen Schließungen wurden die Rennen 1912 auf neue und modernere Bahnen verlegt. Eröffnet wurde die Trabrennbahn am 16.06. 1878 mit ca. 12.000 Besuchern. Aus dem Gutsbezirk Weißensee wurde, bedingt durch sein rasches Wachstum, 1880 die Landgemeinde Neu-Weißensee, die bis 1900 bereits auf über 30.000 Einwohner wuchs.

Um 1900

Zwischen 1898 und 1906 wurde in mehreren Etappen die Ruthenbergschen Fabrikanlagen errichtet. Es waren von Werkstätten und Lagerräumen umschlossenen Höfe, die sich zwischen der Langhansstraße und der Lehderstraße, sowie der Behaimstraße und der Roelckestraße erstreckte. Die Mieter bekamen auch Strom, Gas und Wärme geliefert. Man kann sie zu Recht als Vorläufer der heute so gepriesenen Gewerbehöfe bezeichnen. Die einzigen zwei höheren (4-etagigen) Gebäude in der Lehderstr. 16-19 beherbergten eine Goldleistenfabrik.

1901 wird die Straßenbahn, auf elektrischen Betrieb umgestellt, auch die seit 1892 bestehende Zweitlinie, die durch Langhansstraße und Prenzlauer Allee zum Zentrum führt. 1905 erfolgt die Vereinigung des Dorfes Weißensee mit der Landgemeinde Neu-Weißensee zur Gemeinde Weißensee um gemeinsam das Stadtrecht zu beantragen.

Die Bethanienkirche auf dem Mirbachplatz wird 1902 von Kaiser Wilhelm II und Kaiserin Auguste Viktoria eröffnet. 1906 wurde das Amtsgericht, erbaut "im Stile deutscher Renaissance mit gotischen Motiven", eingeweiht. Um weitere Industriebetriebe im Norden Berlins anzusiedeln wurde beschlosssen, eine Industriebahn zu bauen, Sie sollte Friedrichsfelde im Osten mit dem Tegeler Hafen im Westen verbinden und berührte auch Weißensee. Nach ihrer Eröffnung 1908 konnten nun auch Großbetriebe hier tätig werden.

Die Gemeinde erwirbt das Schloss und die Parkanlage mit dem See und machte ihn der Öffentlichkeit zugänglich. Mit der Errichtung des sog. Gemeindeforums am Kreuzpfuhl wurde um 1910 der gewachsenen Kommune ein repräsentatives, parkartig gestaltetes Zentrum gegeben. In dem Gebäude hat der Frei-Zeit-Haus e.V. seine Heimat gefunden. Das Gemeinforum und die Wohnhäuser Woelckpromenade 2 - 7, auch bekannt unter Munizipalviertel, sind eine auch heute noch anerkannte städtebauliche und architektonische Meisterleistung des Architekten Carl James Bühring. 1910 sucht die Gemeine erneut um das Stadtrecht nach, wird aber wie beim ersten Mal abgelehnt.

Eine leider inzwischen in Vergessenheit geratene Einrichtung ist das 1911 eröffnete 1. kommunale Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens, das sich in der Kniprodeallee, der heutigen Hansastraße befindet. Es besaß damals einen eigenen Kuhstall.

Eines der bekanntesten Cafe's in Weißensee, das Milchhäuschen öffnete 1911 als kommunaler Betrieb. Um die Kühlanlage des 1906 gebauten Elektrizitätswerkes zu verdecken, wurde 1912 die Seebrücke erbaut. Hans Schellhorn schuf die beiden Skulpturen, die die Seebrücke zu "bewachen" scheinen.

Ab 1920

1920 wurde Weißensee mit Hohenschönhausen, Malchow, Falkenberg und Wartenberg zum 18. Verwaltungsbezirk von Berlin. Die Planschwiese, die sich gegenüber der Seebrücke befindet, wurde 1920 angelegt um eine Bademöglichkeit für Kinder zu schaffen. 1928 fiel der älteste Gasthof "Zum grünen Baum" einer Straßenverbreiterung der Berliner Allee zum Opfer.

In den zwanziger Jahren setzten umfangreiche Wohnungsbauprojekte ein, um den Zustrom nach Weißensee bewältigen zu können. So entstand nach 1925 in der Buschallee von Bruno Taut ein in sich geschlossenes Ensemble. 1929 war auch geplant Weissensee an das U-Bahn-Netz anzuschließen, aber Geldmangel verhinderte das Projekt und rettete so die alte Dorfkirche, da an dieser Stelle eine Station entstehen sollte.

Ab dem 21. 04.1945 ist für Weißensee der 2. Weltkrieg zu Ende.

Zu DDR-Zeiten

1945 zieht im Herbst das Bezirksamt in das Askania-Gebäude das zum Rathaus erkoren wurde, allerdings nur für kurze Zeit, da die Verwaltung der Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) hier einzog. Ab 1953 waren Dienststellen des Ministerium für Staatssicherheit untergebracht.
1955 erwachte das Gelände der Trabrennbahn für kurze Zeit zu neuem Leben als Radrennbahn. Ein umfangreicher Wohnungsbau setzte ein um die Spuren des Krieges zu verwischen: 1959 entstand das Wohngebiet am Hamburger Platz, 1967 an der Else-Jahn-Straße und 1975 entstand das Gebiet Falkenberger Straße Süd. Das erste Weißenseer Blumenfest wurde 1963 gefeiert und war seitdem fester Bestandteil des Sommerausklanges in Weissensee. Vor einigen Jahren wurde der Termin auf Juni verlegt. 1967 wurde das Milchhäuschen wegen Baufälligkeit abgerissen und in seiner jetzigen Form wieder aufgebaut.

Der Bezirksteil Hohenschönhausen wurde 1985 nach umfangreichen Wohnungsneubauten ein eigenständiger Bezirk. Zum 1. Januar 1986 wurden die Ortsteile Blankenburg (1271), Heinersdorf (1319) und Karow (1375) vom Bezirk Pankow dem Bezirk Weißensee zugeordnet. Deren alten Ortsteile stammen aus der gleichen Zeit wie Weißensee.

Heute

Die Bezirksverordnetenversammlung beschloss am 08.08.1990 die Rückbenennung der Klement-Gottwald-Allee in Berliner Allee. die feierliche Umbenennung fand dann am 31.08.1991 statt. In den letzten Jahren ist Weißensee zu einem bevorzugten Wohnungsneubaustandort geworden. Insbesondere nördlich des Ortskernes Karow wurde auf ehemaligen Ackerflächen das Wohngebiet Karow-Nord errichtet. Durch "Lückenbauten"und Abriß stillgelegter Betriebe wurden viele Straßenzüge vervollständigt.

Im Zuge der Berliner Verwaltungsreform wurde am 1.1.2001 der Großbezirk Pankow, zu dem auch der ehemalige Bezirk Weißensee gehört, gebildet.

Quellen:
" Walter Püschel "Spaziergänge in Weißensee"
" Alles nach Weissensee zum Sternecker"
" Gummi, Goldleisten, Großdrehmaschinen"
" Peter Glaß "Es ist daselbst ein sehr schöner Garten"
" Hans-Jürgen Rach "Die Dörfer in Berlin"